Nov 10, 2019

FOCUS Wales: „Sehr gesund für neue Musik“

Auf dem Live at Heart Festival in Schweden hatten wir das Glück Andy Jones, den Booker und Mitbegründer des FOCUS Wales kennenzulernen. Wir sprachen mit ihm über sein Showcase-Booking, die Vorteile des INES-Programms und was es braucht, um sich sowohl als Live-Acts als auch als VeranstalterIn erfolgreich durchzusetzen. Das FOCUS Wales ist eines der 19 Showcase Festivals des Innovation Network of European Showcases (INES) und bei den UK Festival Awards 2019 just in der „Best Festival for Emerging Talent“-Shortlist gelandet!

Vom 7. bis 9. Mai 2020 werden in Wrexham bei der 10. Ausgabe des Festivals über 15.000 Menschen mehr als 250 internationale Bands auf 20 Bühnen erleben. Im letzten Line-Up waren Live-Acts wie GRUFF RHYS, BO NIGEN, MICHAEL ROTHER und THE JOY FORMIDABLE.

gigmit: Welche INES#talents haben beim FOCUS Wales 2019 gespielt?

Andy Jones: The Magnettes aus Schweden und :Papercutz aus Portugal. Das war toll für uns und wirklich aufregend, diese Bands zu erleben. Immerhin wurden sie von den Veranstaltern ihrer Heimatländer empfohlen als die ”aufregendsten Bands aus unserer Gegend”. Um diesen Austausch geht es ja bei INES. Das ist erfrischend, neu und hat definitiv den Erfolg unseres Festivals dieses Jahr mit beeinflusst.

Wie fällt das Feedback der von dir gebuchten KünstlerInnen aus? Was ist mit den walisischen Acts, die ihr für den INES#talent pool ausgewählt habt?

Generell sind die KünstlerInnen sehr zufrieden mit den gebotenen Möglichkeiten. FOCUS Wales 2019 war ein Erfolg! Die Shows wurden rundum gut angenommen. Alle hatten ein großartiges Publikum und spielten tolle Showcases.
Ausblickend auf 2020 weiß ich, dass viele walisische Acts echt begeistert sind von der Option, ihre Musik auf neue Festivals in ganz Europa zu bringen. Das begeistert dann auch uns. Es wird spannend zu sehen sein, welche Festivals die KünstlerInnen schließlich einladen.

Wie funktioniert dein Booking der INES#talents? Kannst du den Prozess erklären?

Booking ist ein fortlaufender Prozess. Wir sind nicht auf den einen Weg festgelegt. Bei 4.500 Bewerbungen für das Festival kannst du dir vorstellen, dass es komplex ist. Ich überwache ihn persönlich und dafür sorge, dass alle Bewerbungen gründlich überprüft werden, um sicherzustellen, dass nichts untergeht. Uns ist sehr wichtig, dass wir die Besten unter den Besten buchen. Noch bis zum 1. Dezember sind Bewerbungen möglich. Es ist also noch Zeit. Ich würde aber alle ermutigen wollen, ihre Bewerbung so schnell wie möglich einzureichen.

FOCUS Wales 2019 | Credit: Tim Rooney
FOCUS Wales 2019 | Credit: Tim Rooney

FOCUS Wales ist INES Associate Member. Was ist der größte Nutzen des Programms?

Als wir unser Festival entwickelt haben, haben wir großen Wert auf die Internationalisierung der Veranstaltung gelegt. Das ist etwas, das unsere KünstlerInnen wirklich zu schätzen wissen. Auch die internationalen Acts schätzen die Möglichkeit vor einem neuen Publikum in Großbritannien zu spielen. Das ist mehr als wir verlangen könnten. Deshalb haben wir ein Auge auf Künstleraustausch und Partnerschaften mit anderen Festivals geworfen. Und das ist es, was INES unseren KünstlerInnen bietet. Wir stehen voll dahinter und hoffen es von Jahr zu Jahr noch zu intensivieren.

Welchen Unterschied hat INES bei der Organisation des Festivals gemacht?

Im Hinblick auf die Erhöhung unserer Sichtbarkeit in der europäischen Musikszene denke ich, dass INES definitiv dazu beigetragen hat unserem Festival in Ländern, deren Musikszene vielleicht noch nicht aufs FOCUS Wales aufmerksam geworden sind, eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken. In der Hinsicht sehen wir auf jeden Fall einen großen Vorteil. Hoffentlich verbreitet sich die gute Nachricht von Jahr zu Jahr weiter und das Festival wächst. Dann buchen wir immer mehr INES#talents und – quasi als Gegenleistung – können wir mehr walisische Acts in andere Länder schicken.

Wie macht die Zusammenarbeit der 19 INES Festivals aus?

Dieser Teil von INES hat mir die Möglichkeit gegeben, viele Leute zu treffen, die ähnliche Arbeit wie wir beim FOCUS Wales machen – Leute aus vielen interessanten Ländern, in vielen interessanten Musik-Communities, mit denen wir als Festival noch nicht zusammenarbeiten konnten. Wir lernen voneinander! Es ist z.B. sehr interessant zu erfahren, was die Jungs von der Monkey Week in Sevilla machen oder was Peter hier in Örebro beim Live at Heart macht. Wir sehen, dass wir ähnliche Probleme haben und versuchen nun gemeinsam in der europäischen Landschaft Raum für Musikgemeinschaften zu finden.

Hier beim Live at Heart sehe ich definitiv großartige Ideen, die wir in das, was wir tun, integrieren könnten und umgekehrt. Ich denke, die Zusammenarbeit hilft uns allen, ein wenig zu wachsen. Dieses Zusammenkommen ist eine sehr gesunde Sache für neue Musik.
Wir alle gehen zum Eurosonic, zum SXSW, aufs Reeperbahn Festival oder wo auch immer hin und entdecken neue Ideen und Konzepte. Was hat z.B. hier bei der Konferenz gut funktioniert? Gibt es dort vielleicht neue Wege, die Bands zu präsentieren, auf die wir noch nicht gekommen sind? Es ist eine ganz besondere Gelegenheit, die INES bietet, indem diese einzigartigen Festivals zusammengebracht werden. Von meiner Seite aus sind wir wirklich begeistert, dass Wales jetzt eine Stimme in dieser Musikgemeinschaft ist.

Conference FOCUS Wales 2019 | Credit:Filmcafe
Conference FOCUS Wales 2019 | Credit:Filmcafe

Worauf legt ihr im Konferenz-Teil besonderen Wert?

Im Mittelpunkt steht der Wunsch, etwas wirklich Praktisches und Nützliches für Neue-Musik-Schaffende und die waliser Musikszene im Allgemeinen zu entwickeln. Wir haben einige etablierte Events, aber durchaus auch Talks und Panels, die sich an ein Nischenpublikum richten. Wir wissen, dass unsere Konferenz – speziell für die Community der aufstrebenden KünstlerInnen – praktisch und nützlich sein sollte. Wir wollen ein Agenten-Treffen organisieren und wir wollen ein Treffen mit den Festivals machen. Nach dem Motto: “wir laden 6 Labels und 6 Festivals ein, setzen sie zusammen auf eine Bühne und stellen ihnen die schwierigen Fragen” . So können die Zuschauer und vor allem die jungen MusikerInnen Dinge lernen, die sie sofort auf ihre Musik anwenden können. Ich interessiere mich nicht so sehr für Geschichten aus den 1980er oder 90er Jahren. Ich will erfahren, was KünstlerInnen heute auf ihr Projekt anwenden können, das dann den entscheidenden Unterschied macht. Das ist das Ziel der Konferenz. Grundsätzlich bekommen wir dafür gutes Feedback. Wir sind aber auch immer offen für neuen Rückmeldungen und Ideen.

Was rätst du den Bewerber*innen für das FOCUS Wales 2020?

Ich will die Leute dazu ermutigen sich beim FOCUS Wales zu bewerben! Alle wichtigen Informationen stehen auf focuswales.com zur Verfügung. Die Leute sollten sich das vorher mal anschauen. Sie sollten verstehen, welche Art von Veranstaltung wir sind, bevor sie sich bewerben. Wir sind kein Genre-spezifisches Event. Wir sind offen für alle Arten von Live-Acts, solange sie ein solides Argument dafür liefern, warum es für ihren kreativen Weg sinnvoll ist, gerade jetzt nach Großbritannien zu kommen.

Andy Jones ist Mitbegründer von FOCUS Wales und Booker für das FOCUS Wales Festival.
Andy Jones ist Mitbegründer von FOCUS Wales und Booker für das FOCUS Wales Festival.

 

„Beim FOCUS Wales wollen wir etwas wirklich Praktisches und Nützliches für Neue-Musik-Schaffende entwickeln. Geschichten aus den 1980er und 90er Jahren interessieren mich nicht so sehr. Ich will erfahren, was KünstlerInnen heute auf ihr Projekt anwenden können, das dann den entscheidenden Unterschied macht. Das ist das Ziel der Konferenz. Wir sind offen für alle Genres. Es ist uns sehr wichtig die besten Live-Acts zu buchen. „