Dez 20, 2019

Neue Acts in Festival Line-Ups buchen!

Vom europäischen Festland bis nach Großbritannien: Festivalverbände beklagen sich in dieser Saison über sinkende Verkaufszahlen. Kein Wunder, denn die Veranstalter*innen setzen über Jahre hinweg auf das gleiche Line-Up. Jetzt haben sie große Schwierigkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben. Gleichzeitig steigen die Honorare der Headliner an und treiben die Ticketpreise in die Höhe. Wohin diese Entwicklung führt? Festivals müssen abgesagt werden, weil die Ticketverkäufe ausbleiben oder finanzielle Hürden unüberwindbar werden. 2019 musste das französische Festival Biarritz En Été gecancelt werden – und auch das wiederbelebte spanische Doctor Music Festival, das mit The Prodigy und The Chemical Brothers warb. Die Branche scheint in einer Krise zu stecken. 

Neue Acts in Festival Line-Ups zu buchen, wäre eine Lösung für ein Problem, das sich anbahnt. „Tatsächlich ist diese Saison im Vergleich zum Vorjahr ruhiger: die Ticketverkäufe laufen schleppend an und es wird immer schwieriger, Profitabilität zu erreichen“, sagt Jean-Paul Roland, Direktor des französischen Rockfestivals Eurockéennes, gegenüber der Fachzeitschrift IQ. „Es geht langsamer voran als in den vergangenen Festivalsaisons“, meint auch Christof Huber, Direktor des OpenAir St. Gallen und Vorstandsmitglied von Yourope (European Festival Association). Das Interesse an großen Konzerten scheint in ganz Europa zu sinken – woher kommt diese betrübte Stimmung? Vielversprechende neue Acts in Festival Line-Ups zu präsentieren sollte kein Problem sein.

Hohe Ticketpreise und wiederkehrende Line-Ups

„Ich denke, dass der Markt seit einigen Jahren ziemlich gesättigt ist“, sagt Christof Huber. „Außerdem kommen die gleichen Headliner zu oft zurück und spielen in einigen Fällen sogar mehrere Saisons.“ Ja, es leuchtet ein: Warum sollten Fans ein zweites Mal auf ein Festival gehen, wenn die gleichen Bands wie im Vorjahr dort spielen? Oder wenn sich das Line-Up von anderen Festivals kaum unterscheidet? 

Hinzu kommt, dass große Headliner wie Metallica oder Muse durch ganz Europa touren und in Fußballstadien vor zehntausenden Menschen spielen. Fans müssen nicht unbedingt zum mehrtägigen Festival fahren, wenn sie den „gehypten“ Main Act an einem einzigen Abend für weniger Geld sehen können.

Wer keine Newcomer aufbaut, hat morgen keine Headliner mehr

Keine Diversität und horrende Ticketpreise – diese Entwicklung schadet nicht nur den Veranstalter*innen, da sie weniger Tickets verkaufen, sondern auch den Künstler*innen. „Das Grundproblem besteht darin, dass immer auf die gleichen Line-Ups gesetzt wird, auch auf den großen deutschen Festivals“, erklärt Sebastian Heer von c/o Pop. „Das führt dazu, dass junge Newcomer nicht unterstützt und aufgebaut werden können. Sie haben keine Chance, sich zu den Headlinern von Morgen zu entwickeln.“ Eine junge Band braucht eine Plattform, um sich zu etablieren. Das aber ist unmöglich, wenn nicht neue Acts in Festival Line-Ups auftauchen und immer nur auf die gleichen Namen gesetzt wird.

Regionale Festivals sorgen für mehr Diversität

„Wenn man kleineren Bands keine Bühne bietet, dann wird man aussterben“, bringt es Peter Åstedt auf den Punkt. Der Mitbegründer des schwedischen Festivals LIVE AT HEART ist der Meinung, dass neue Acts in Festival Line-Ups unverzichtbar sind. Jedes Festival brauche neue Künstler*innen brauche, die zum ersten Mal vor einem großen Publikum spielen. „Wir haben die Regel aufgestellt, dass eine Band bei uns nur drei Jahre hintereinander spielen darf“, sagt Åstedt. Im ersten Jahr sei die Gruppe noch recht unbekannt und könne vom Publikum neu entdeckt werden, im zweiten Jahr sei der Name dann geläufiger. „Im dritten Jahr kennt das Publikum die Band und widmet ihr viel Aufmerksamkeit. An diesem Punkt sagen wir, dass es reicht. Ansonsten spielen die gleichen Gruppen immer und immer wieder.“

Bei kleineren und mittelgroßen Festivals, wie beim LIVE AT HEART, weht also ein anderer Wind, denn hier spielen auch Newcomer. Die Fans profitieren davon, denn sie werden – endlich wieder einmal – vom Line-Up überrascht und können unbekannte Nischenbands entdecken. Die Tickets sind günstiger als bei Mainstream-Events, es herrscht mehr Nähe und Geselligkeit.

Mehr Mut und Transparenz beim Live-Booking

Bei den großen Konzerten muss ein Umdenken stattfinden: Die Organisator*innen müssen sich endlich trauen, unbekannten Bands eine Plattform zu bieten und neue Acts in Festival Line-Ups buchen. Man nehme als Vorbild kleine Indie-Festivals oder regionale Events, die auch junge, ambitionierte Künstler*innen auf die Bühne lassen. Ansonsten führen monotone Line-Ups und überteuerte Ticketpreise dazu, dass sich die Zahlen immer weiter verschlechtern und noch mehr Festivals abgesagt werden müssen.

gigmit bietet Lösungen an

Das klingt plausibel – doch wie können sich unabhängige Newcomer mit Veranstalter*innen vernetzen? Ganz einfach: Sie verschaffen sich über eine Registrierung bei gigmit einen einfachen Zugang zum Live-Geschäft. Das Vernetzen von Veranstalter*innen mit Künstler*innen in einer Live-Community ist kostenlos und ohne hohen Verwaltungsaufwand. „Die Entdeckung von neuen Acts, in Verbindung mit Fan- und Streamingdaten sowie die Möglichkeit zum direkten Booking, ist im Live-Business längst überfällig“, sagt Marcus Fitzgerald, Gründer und CEO von gigmit. Wir ermöglichen mit gigmit zuerst den digitalen, dann den realen Austausch – etwa mit den Initiativen LASER und INES.“

LASER

LASER (= Live Artists Search Engine & Recommendations) ist eine algorithmische Software, die die Fan- und Streamingdaten der Live-Acts nutzt, um Veranstalter*innen bei der Entdeckung von europäischen Talenten zu unterstützen. Ebenso können Agenturen gezielt nach Acts suchen, die bestimmten Programmanforderungen entsprechen oder über eine gewisse Fanbase verfügen.

INES

Das Innovation Network of European Showcases (INES) dient der Förderung von neuen Talenten und dem internationalen Austausch der Live-Branche. Festivalveranstalter*innen aus verschiedenen Ländern können Bands und Solokünstler*innen aus einem Talent-Pool, den INES#talents, für ihre Gigs auswählen. So haben Nachwuchstalente eine Plattform, um ihre Musik auf Konzerten außerhalb ihres Heimatlandes zu präsentieren.

Fazit: In der Branche findet ein Umbruch statt. Er könnte dazu führen, dass auch unbekannte Live Acts eine Plattform erhalten. Wir sehen darin eine große Chance. Warum? Weil im Idealfall viele aufstrebende, neue Acts in Festival Line-Ups zu finden sind, die die Livemusik-Landschaft vital halten.