Mrz 03, 2020
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40 Jahre G&L: der Junge mit der Gitarre ist gar nicht tot!

 

1980 erschienen die ersten Instrumente von George (Fullerton) und Leo (Fender) unter dem Namen G&L. Bis auf gelegentliche Ausnahmen blieb das Design der G&L Gitarren mit starken Bezügen zu Stratocaster, Telecaster, Mustang und Precision dem Fender-Stil treu.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums haben wir uns mit Frank Fügner, Gitarren Experte bei Musik Wein, unterhalten. Er liebt und spielt selbst G&L Gitarren und weiß, wie es im legendären „Leo’s Lab“, der Werkstatt des Entwicklers, riecht. Er hat uns mit beeindruckender Fachkenntnis verraten, wer diese wirklich besonderen Gitarren kauft, was sie ausmacht und wie die Zukunft von Gitarrist*innen aussieht.

40 Jahre G&L: Frank Fügner vor Leo's Lab
40 Jahre G&L: Frank Fügner vor Leo’s Lab

gigmit: Frank, du bist Produkt Manager bei Musik Wein, einem exklusiven Vertrieb für Musikinstrumente und Zubehör. Gitarren sind dein Fachgebiet. Ist das der beste Job der Welt?

Frank Fügner: [lacht] Jeder, der sein Hobby zum Beruf machen kann, hat natürlich ein Privileg. Wenn die eigenen Interessen im Job stark vertreten sind, macht’s mehr Spaß – na klar. Mir macht es jedenfalls viel Spaß. Wir suchen uns die Vertriebsprodukte aber auch selbst aus, damit wir voll hinter dem Produkt stehen können. Wir finden das Produkt also selbst gut, das finde ich sehr wichtig. Jeder hat bei uns sein Fachgebiet, die meisten zudem einen musikalischen Background… das ergibt dann eine gute Summe an Kompetenz.

Welche Gitarre spielst du?

Ich habe mehrere G&Ls und auch Gitarren anderer Hersteller. Aber meine Lieblingsgitarre ist eine „Asat Classic“ in Shoreline Gold mit weißem Top Binding, 12“ Radius und G&L Alnico Pickups. Die schwingt unglaublich und kann trotz der Low Output Single Coils richtig schön mit ordentlich Gain gespielt werden. Eigentlich kann die fast alles. Man traut es ihr der Optik wegen aber nicht zu, da es eben eine Country Gitarre ist [lacht]. Auf der Liste steht jetzt noch eine „Espada„, die habe ich gerade bei G&L in Leo’s Lounge gehört. Die hat mich sehr beeidnruckt, da sie noch mehr Sounds zu bieten hat, die aber allesamt sehr gut und praxisgerecht zu gebrauchen sind.

Ich spiele aktuell auch eine G&L „Asat Classic Bluesboy“. Ich dachte vorher immer, Telecaster liege mir nicht. War Quatsch! Diese ist echt schön und kommt mir enorm schnell vor. Woran liegt das?

Die Bespielbarkeit der G&L Gitarren war schon immer ein großer Pluspunkt. Die Produktion ist sehr akkurat ist und die Bundabrichtung wird per PLEK Maschine gemacht. Dazu kommt ein sehr angenehmes Halsshaping, ein gut gewählter Radius und die Endbearbeitung des Halses per Hand. Ich höre sehr oft von Endorsern, dass die Instrumente sich anfühlen, als kenne man sie schon oder hätte schon lange drauf gespielt. Man hat keinen „Fremdkörper“ in der Hand, an den man sich erstmal lange gewöhnen muss.

Man konnte dich kürzlich auf Instagram in einer ganz besonderen Werkstatt sehen. Was hat es mit diesem Ort auf sich?

Leo’s Laboratory ist der heilige Gral, eigentlich sein Zuhause. Leo verbrachte sehr viel Zeit dort, entwickelte und probierte. Dort entstanden die ganzen Sachen, die G&L so besonders machen. Das Lab wurde im Prinzip so belassen, als wenn Leo nur kurz mal weg ist und gleich wiederkommt. Klar wird hier ab und zu auch mal Staub gewischt, das muss schon sein, aber im Großen und Ganzen sieht es so aus, wie Leo es damals verlassen hat. Der Ort hat etwas Magisches, eine spezielle Atmosphäre und es gibt dort viel zu sehen und zu entdecken…

Was ist das Besondere an G&L Gitarren?

Das Besondere ist, dass Leo bei G&L seine Instrumente immer weiter optimiert hat. Er war sehr innovativ, immer auf der Suche nach Problemlösungen, tüftelte immer weiter. Das konnte bzw. durfte er bei seiner alten Firma nicht ausleben. Erst bei G&L konnte er sich frei entfalten, entwickelte die Magnetic Field Design Tonabnehmer, die Saddle Lock Bridge und auch das Dual Fulcrum Vibrato – alles seine Innovationen und einzig und allein bei G&L zu finden.

MFD Pickups

Bei den Magnetic Field Design Pickups kann man die Pole Pieces für jede Saite in der Höhe, somit also in der Lautstärke, einstellen. Das ermöglicht ein viel ausgewogeneres Klangbild. Die Pickups haben außerdem einen größeren Output, zugleich aber weniger Nebengeräusche als andere Pickups. Sie liefern eine schöne Wärme und übertragen ein breiteres Frequenzspektrum.

Saddle Lock Bridge

Die Saddle Lock Bridge hat als größte Besonderheit an der Seite eine Madenschraube, mit der die Saitenreiter aneinander gedrückt werden. Das hat zur Folge, dass sich die Böckchen schwingungstechnisch wie ein Teil verhalten und nicht wie sechs einzelne Reiter. Man überträgt damit mehr Schwingungsenergie als bei herkömmlichen Brücken. Die Grundplatte der Bridge reicht mit einer ca. 1 cm tiefen Nase nach unten in den Body, der dafür mit einem Routing versehen ist. Das Endergebnis ist eine bessere Tonübertragung und ein stärkeres Sustain. Saiten reißen übrigens hier auch seltener als bei anderen Bridge-Konstruktionen.

Dual Fulcrum Vibrato

Beim Dual Fulcrum Vibrato handelt es sich um ein freischwebendes System mit zwei Messerkanten und einem gesteckten und in der Gängigkeit einstellbaren Arm. Das System hat Messingreiter und läuft deutlich weicher und verstimmungsfreier als Mitbewerber-Produkte mit sechs Befestigungspunkten. Auch wenn die Form der Gitarren bis auf einige Modelle nicht neu ist und viele Instrumente verschiedener Hersteller auf den ersten Blick ebenso aussehen, haben die G&L Instrumente einige Features, die andere nicht haben. Gitarre ist eben nicht gleich Gitarre.

PTB System

Leo hat das Passive Treble and Bass (PTB) System entwickelt, um effektiv den Ton zu bearbeiten – und zwar bei allen Pickups. Es kommt bei den „Legacy“ und „S-500“ Modellen zur Verwendung. Üblicherweise haben Gitarren anderer Hersteller in der Form der „Legacy“ ein Volumen-Poti und zwei Ton-Potis, die aber einfach jeweils eine Höhenblende ist. Dazu auch oft nicht für den Bridge Pickup, da wo man sie eigentlich am besten gebrauchen kann. Das wird seit Ewigkeiten so gemacht und keiner ändert es ab Werk. Beim PTB System hast du ein Volumen-Poti und dann folgt ein Höhenregler und ein Bassregler. Das Ganze funktioniert hervorragend, rein passiv, ohne Batterie. Du bist so in der Lage z.B. für Funky-Sounds den Bassanteil rauszunehmen. Das ist auch bei hohen Gain-Einstellungen klasse, weil du damit den Sound „entmatschen“ kannst. Ein zu hoher Bassanteil macht es hier undifferenzierter. Ebenso kannst du z.B. cleane Sounds durch mehr Bassanteile sehr mächtig werden lassen.

Schild "G&L are winners in all categories of features, quality and price"
Photo by Frank Fügner

Besonders ist bei G&L auch, dass alle Instrumente per Hand lackiert werden. Bei G&L gibt es keine Lackierstraße. Die Pickups werden bei G&L hergestellt und die Hardware ist auch die Eigene. Man ist also nur geringfügig auf Zulieferer bzw. Fremdfirmen angewiesen und kann so natürlich die Kosten besser im Blick behalten.

Musik Wein hat zusammen mit G&L eine erste Serie ins Leben gerufen. Vorher gab es bei G&L nur Option Order.

Die Option Order Instrumente gibt es nach wie vor. Das sind prinzipiell Einzelstücke, die nach Wunsch mit Optionsmöglichkeiten hergestellt werden – wie wenn du ein Auto konfigurierst. Es gibt eine Basisausstattung und du kannst dein Instrument dann mit zusätzlichen Optionen versehen. Je nach Budget und Geschmack sind Optionen wie z.B. Korpus-Binding, lackierter Hals, dazu zwei unterschiedliche Farbtönungen des Halses, eine lackierte Kopfplatte, verschiedene Halsprofile, Locking Tuner, anderes Korpus-Holz und so weiter erhältlich. Das Wunschinstrument ist nach ca. drei bis vier Monaten beim Kunden.

Klingt doch gut. Warum dann die Serie?

Wenn du Instrumente katalogisieren kannst, weil die Ausstattungen gleich sind, ist eine kostengünstigere Produktion möglich. So ist der Preis beim Endkunden sehr attraktiv, ohne Abstriche beim Instrument zu machen, im Gegenteil! Die Instrumente sind bereits mit einigen Features ausgestattet, die sonst mit einem Aufpreis zu Buche geschlagen hätten. Wir haben einfach ausgewertet, welche Farben und Modelle am meisten verkauft und welche Ausstattungsmerkmale gern geordert werden und daraus eine hochwertige aber kostengünstige Serie gemacht.

2020 ist ein runder Geburtstag: 40 Jahre G&L. Dazu gibt es Jubiläumsmodelle, oder?

40 Jahre G&L: Frontansicht Doheny Tiki "HULA", Miami Blue
Tiki HULA
40 Jahre G&L: Frontansicht Doheny Tiki "MERMAID", Graphite Metallic
Tiki MERMAID

Ja, die gibt es und die Nachfrage ist schon groß, da es sich um eine limitierte Auflage handelt. Die 40th Anniversary Modelle sind ein „L-2000“ Bass und eine „Espada“, die beide aus G&Ls Custom Shop stammen und mit knaller AAA Quilted Maple Decken und Roasted Flamed Maple Necks daherkommen. Im G&L Custom Shop werden wieder andere Zutaten verwendet als bei den Option Order Instrumenten. Im Custom Shop gibt es z.B. auch Aging in verschiedenen Abstufungen, Nitro Lackierungen und Roasted Necks.Je Modell wird es nur 40 Stück weltweit geben!

Dazu gesellen sich noch zwei Doheny „Tiki“ Gitarrenmodelle, limitiert auf je 30 Stück. Bei der Doheny handelt es sich um eine Offset Gitarre mit großen G&L MFD Single-Coil Pickups. Das Modell erhielt vom Tiki-Künstler Clee Sobieski jeweils ein per Hand auf das Instrument gemaltes Artwork. Clee benötigt dafür ca. 6 bis 8 Stunden pro Instrument. Du hast also ein echtes Kunstwerk auf der Gitarre. Die Motive nennen sich „Mermaid“ und „Hula“ und sind  farblich passend zur Farbe des Bodies Graphite Metallic bzw. Miami Blue.

Wer kauft G&L?

G&Ls werden von Musikern gekauft, für die das Instrument an sich im Vordergrund steht, die ein sehr gut funktionierendes „Arbeitsgerät“ suchen und die nicht nur nach einem „Brand Name“ als Statussymbol fragen. Es sind oft Leute, die bereits im Handel gut beraten worden sind, denen G&L als Alternative zum Anspielen in die Hand gegeben wird und die dann klar erkennen, dass sie einfach tatsächlich oft besser sind als das, wonach sie ursprünglich gefragt haben. Oder es sind Musiker, die sich selbst bereits informiert haben oder auch jemanden kennen, der bereits G&L spielt und die nicht etwas möchten, weil das ja so viele spielen und es ja ach so gut sein soll.Logo: G&L

Ich würde die Käufer klar als Überzeugungstäter bezeichnen wollen. G&L als kleine Firma hat keinen riesigen Marketing Apparat hinter sich, wie viele andere in der Branche. Dafür ist das Know-how da, hervorragende Instrumente zu fertigen. Die Produktionsqualität ist 1A. Die Instrumente aus den USA sind toll verarbeitet und klasse bespielbar. Dafür sind G&Ls seit jeher bekannt. Toller Klang, klasse Verarbeitung und super Bespielbarkeit. Die Innovationen habe ich ja bereits erwähnt… das Ganze dann noch per Hand lackiert, mit eigenen, sehr guten Pickups und seit einigen Jahren nun schon mit der PLEK Maschine abgerichtet… und das alles zu einem sehr moderaten Preis. Was braucht man da mehr?

Seit 2016 sei der Anteil der Bevölkerung in Deutschland, der regelmäßig ein Musikinstrument spielt, um 18% gewachsen. Der Junge mit der Gitarre ist also gar keine aussterbende Art? 

Nein, den wird es immer geben! Was wäre denn die Rockmusik ohne Gitarre? Auch wenn neue Musik mit viel Elektronik gerade sehr populär ist; das Rock Genre bleibt weiterhin sehr beliebt. Hier wurden viele neue Stile kommen und gehen sehen… und überlebt. Rock ist auch selten „out“, da er nicht so sehr einer Mode unterliegt. Ebenso empfinde ich gerade die Singer/Songwriter als stark. Nur, dass hier rund um die Akustikgitarre zusätzlich auch viel Elektronik verwendet wird. Ed Sheeran füllt mit dieser Stilistik Stadien.

Wo siehst du Gitarrenmusik morgen?

Ich denke, dass die Gitarrenmusik weiter einen hohen Stellenwert haben wird. Der Fundus der Rockmusik ist einfach immens groß. Festivals und Konzerte werden gut besucht. Gitarren werden im Markt gut abgesetzt. Schaut man sich mal Videos in den sozialen Medien an, findet man dort oft sehr junge Musiker, die ihr Instrument bereits hervorragend beherrschen. Ständig kommen neue Talente nach. Nur spielen diese oftmals nicht mehr im Stile der Gitarren-Heroes, wie wir sie kennen, à la Jimi Hendrix oder Edward Van Halen. Darum denkt man eventuell, diese „Spezies“ stirbt aus. Dem ist aber definitiv nicht so. Das Gitarrenspiel wird konsequent weiterentwickelt und verändert. Eine andere Art von Gitarristen, die zwar auch stilistisch adaptiert, aber nicht mehr die Rolle des klassischen „Solo-Gitarristen“ einnimmt, kommt zu Tage.

Frank, danke für das Gespräch!


Mehr Informationen zu den 40 Jahre G&L Jubiläums Modellen findest du HIER.
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