Mai 14, 2020

Wie geht es Musiker*innen während der Corona-Krise?

 

Wir berichten in unserem Blog seit März 2020 verstärkt über die besondere Situation für die Livemusik, über neue Entwicklungen und Hilfsprogramme. Doch wie geht es eigentlich den Menschen und der gigmit Community selbst? Gleich zu Beginn der Pandemie haben wir mit dem COVID-19 Community Feedback eine Kontaktstelle eingerichtet, in der gigmit Musiker*innen, Veranstaltende, Managements, Labels und Agenturen von ihren Erfahrungen und Geschichten mit dem Coronavirus berichten konnten. Wir haben alles gelesen und uns sehr über das viele gute Feedback gefreut. Vielen Dank dafür! Deshalb haben wir uns dazu entschieden fünf statt einmal ein kostenloses Jahr gigmit PRO zu verschenken. Wer gewonnen hat, wird separat per Mail informiert. Herzlichen Glückwunsch!

Einen Überblick, ein paar Antworten und Geschichten wollen wir an dieser Stelle teilen – von „it is a real disaster“ bis „there will be more love when all of this is over“.

Die gigmit Community in der Corona-Krise

Auf gigmit sind fast 120.000 User registriert. Sie alle sind direkt oder indirekt von der Pandemie betroffen. Was erleben die Musiker*innen während der Corona-Krise mit ihren dramatischen Einschränkungen? Die meisten der Künstler*innen, die sich bei uns gemeldet haben, beklagen abgesagte Gigs. Danilo Martínez Boerr von der spanischen Folk Rock Band The Moonshine Band hatte am 26. März 2020 bereits über 40 gecancelte Shows zu beklagen. „Sämtliche Konzerte und Projekte wurden abgesagt“, berichtet auch INES#talent Bernhard Eder aus Wien. „Mein derzeitiges Einkommen beträgt in etwa 0,0.“ Ras Paulo, Afro-Reggae Artist von den Kapverdischen Inseln, schreibt uns dazu nur ein treffendes Wort: „Sad“.

Abgesagte Gigs und knappe Kassen

Auch persönliche Schicksale wurden durch das Community Feedback sichtbar. So hat etwa der polnische Musiker Jacek Pelc seinen Lifestyle an die Bedingungen des Social Distancings anpassen müssen: „My way of life is to play a live music, which is now impossible. I try to stay healthy. I do walking outside and jogging alone. I practice my instrument alone in my music room. I’ve stopped smoking cigarettes! I changed my music life to composing, writing music charts, searching, and selecting my musical archives, mixing old multitrack audio and video records from my concerts. I cooperate with music magazines writing articles for them. I do continue my autobiography book.“ Viele Künstler*innen beklagen, dass sie nicht die technische Ausstattung eines Studios zu Hause haben. So auch der italienische Jazz Pianist Francesco Corrado: „I must stay at home. I can’t play, can’t take online lessons, can’t release my album now. That’s a huge price for me.“

„Before this crisis, we had signed up to ten concerts on our new tribute to the group Chic, Nile Rodgers and the artists with whom he collaborated, and all our dates were cancelled. Not postponed, but cancelled! Without any compensation because no insurance does not take over the specific conditions linked to COVID-19. To this day we no longer have any visibility. It is a real disaster, both for the financial side and for the recognition side of our new tribute.“ (The CHIC Tribute aus Frankreich)

artists during covid-19: sighdafekt
„It’ll be alright“ – gigmit artist Sighdafekt // Photo by Adam Oscar

Dave Slagorsky, Veranstalter und Hip Hop Artist aus Tel Aviv hat seinen Zweitjob in der Nightlife Promotion verloren und verdient nun gerade noch genug, um die Miete zu zahlen. „But it’ll be alright :)“, schreibt er.

Stay positive!

Obwohl die Branche besonders zu kämpfen hat und „a lot of venues will probably go bankrupt“ (Slender Pale aus Schweden), ist es erstaunlich und schön, wie positiv und hoffnungsvoll der Großteil der gigmit Community reagiert – trotz der krassen Einschnitte. Wir haben gefragt, was sich nach der Krise ändern wird.

„We are rediscovering the importance of simple things, of our families and giving more importance to the things that really matter. And once we’ll able to stay with other people again, we’ll also rediscover the importance of friendship and community: you don’t really value something till you lose it.“ (Piero Strada aus Mailand)

Captain Boy, INES#talent aus Portugal, geht geht noch einen Schritt weiter: „I think there will be more love when all of this is over.“ Persönliche Beziehungen scheinen nun ein wichtiger Anker für viele zu sein. Dank verschiedener internationaler Freundschaften wurde der Berliner Techno DJ Mark Ost in Isolation bereits zu Gigs nach Kanada, Russland und in die USA eingeladen.

artists during covid-19: Loni Lincoln
„Lots of new ideas“ – gigmit artist Loni Lincoln // Photo by Rob Wilkinson

Fast schon inspirierend findet die britische Singer-Songwriterin Loni Lincoln den Shutdown: „It may change the way we do gigs and also might push us to get some new material out. It’s given me lots of new ideas.“

Fast schon inspirierend findet die britische Singer-Songwriterin Loni Lincoln den Shutdown: „It may change the way we do gigs and also might push us to get some new material out. It’s given me lots of new ideas.“

Digitale Tools als Retter

Neben Hilfsfonds, Crowdfundings und einzelnen nationalen Initiativen sieht die gigmit Community vor allem Social Media, digitale Tools und die Möglichkeit von Livestreaming als große Hilfe für Musiker*innen in der aktuellen Situation an – zumal es größeres Zuschauer*innen-Potenzial biete als ein kleiner Pub-Gig. „There is so much content on the internet these days, lots of tips and tricks on how to start live-streaming for example. Love all this content“, sagt DJ Bucky aus Belgien. Dass Livestreaming dazu führen könnte, dass noch mehr Musiker*innen kostenlos spielen, merkt dazu ein anonymer User an. Aktuell bietet zu dem Thema unser Markenpartner Snapticket mit Livestream-Ticketing eine innovative Lösung an. Andere Künstler*innen setzen darauf, die Zeit zum Üben und Organisieren zu nutzen:

„First of all, wherever possible, try to rebook your cancelled gigs for another future date. If you are jobless now, compose music, record, and publish your solo online workshops. Or/and maybe try to play with friends via skype, or another net connections. Take your time to practice your instrument, evolve, find new ideas. Search your archives (audio, video, music charts, orchestrations, and whatever possible). Edit them, than remix, mix, produce. Write your music tours/events diary, or a book. Contact your friends from music press, work for them, write articles. I think, now it’s the good time to take all small studio record projects under consideration.“ (Jacek Pelc aus Polen) 

„During this Quarantine I have more time to perfect my lyrics and study my repertoire for the coming Summer. My Music will still be underrated because of the conditions but it will be perfect when it comes to release it“, gibt sich Musiker Rui Filipe Rafael optimistisch.

Große Hoffnung, die Krise gemeinsam zu meistern

Wie geht es weiter? Insgesamt äußert die gigmit Community eine große Hoffnung und den Glauben daran, gemeinsam die Krise meistern zu können. „Stay home“ und „Stay positive“, waren als Handlungsempfehlung am häufigsten zu lesen. Konkret wollen vor allem Künstler*innen einander und lokale Musikläden unterstützen, die Musik andere teilen und für Online Events bezahlen oder spenden. Um was es jetzt geht, bringt DJ Mark Ost aus Berlin auf den Punkt: „Eigene Egos hinten anstellen, solidarisch sein, einander helfen!“ Und besser als Maarten de Gans von der niederländischen Band Acting the Maggot hätten wir es auch selbst nicht sagen können:

„Play together using each other’s strengths! gigmit has the possibility to widen our horizon. We got the power to play music. Combining these two seems the most logical way to help each other!“ (Maarten de Gans aus den Niederlanden)

Das motiviert uns, das weiterzumachen, was wir schon lange vor der Krise begonnen haben. Nämlich

  • mit digitalen Mitteln zu vereinfachen, wie Konzerte organisiert werden können,
  • die Industrie zu diversifizieren und
  • das Geschäft, das bisher wenigen vorbehalten war, für alle auf das nächste Level zu bringen.

 

Wir wollen, dass auch nach Corona mehr Zeit für kreative Arbeit bleibt und mehr Musiker*innen schon bald wieder dort stehen, wo sie hingehören: auf der Bühne.


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