Dez 16, 2019

Das erste eigene Album finanzieren – So kann es klappen

 

Irgendwann ist es bei den meisten Bands so weit: Der Wunsch, endlich ein eigenes Album zu produzieren, wird zu einem dringenden Bedürfnis. Das Konzept steht vielleicht schon längst und die Songs sind auch reif, aufgenommen zu werden. Doch eine professionelle Album-Produktion in einem guten Tonstudio ist eine teure Angelegenheit. Allerdings gibt es einige Möglichkeiten, wie auch nicht ganz so gut betuchte Bands sich ein erstes Album finanzieren können. Und was vor allem hinsichtlich der Aufnahme im Studio selbst zu beachten ist, sollten Bands dazu auch wissen.

Die Kosten einer Album-Produktion in Zeiten der Digitalisierung

Eine Entwicklung im Musik-Business ist derzeit nicht zu verleugnen: Immer weniger Menschen kaufen, trotz Renaissance des Vinyls, physische Tonträger. Ganz einfach deshalb, weil sie dazu nicht mehr gezwungen sind. In Zeiten der Digitalisierung und damit einhergehend auch des Musikstreamings macht es doch einfach mehr Sinn, ein Abonnement bei einem großen Anbieter abzuschließen und die ganze Welt der Musik in der Hosentasche auf dem Smartphone immer dabei zu haben. Das Problem dabei ist, dass auch der Wert eines Albums in diesen Zeiten abnimmt. Denn der nächste Song, der angeklickt werden kann, ist nur wenige Handgriffe entfernt. Außerdem sinkt die Aufmerksamkeitsspanne nachgewiesener Maßen in Anpassung an neue Medien immer weiter. Ein
ganzes Album hören sich selbst Fans einer Band heute also nicht mehr ganz an, weil sie es als schlichtweg zu lang empfinden.

Künstler*innen hält das natürlich trotzdem nicht davon ab, wie gehabt Alben in voller Länge zu produzieren. So ein Album ist schließlich immer noch eine Art Krone, die auf oft monate- oder gar jahrelange Arbeit gesetzt werden soll. Der Vorteil des Musikstreamings kann sein, dass es mitunter gar nicht mehr nötig ist, physische Tonträger herzustellen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Musik online gut promotet wird. Die Kosten für die CD- und Plattenherstellung
fallen also vielleicht weg. Und ja, mit Streaming alleine und Live-Auftritten können viele Künstler*innen gut von ihrer Musik leben.

Die letztendlichen Kosten für eine Album-Produktion heute lassen sich zwar schwer pauschalisierend nennen, ein Richtwert sind für professionelle Abläufe aber durchaus 10.000€. Teurer kann es, je nach Entscheidungen und den jeweiligen Umständen sowie der Wahl der einzelnen Posten natürlich immer werden. Die typischen Posten sind in der Regel die Folgenden:

  • Die Ausrüstung (Instrumente und Zubehör)
  • Der Proberaum
  • Die Studiozeit
  • Tontechniker*in
  • Das Mischen
  • Das Mastering
  • Das Albumcover
  • Evtl.: Die Herstellung physischer Formate
  • Die Promotionsphase.

 

Alles zum Crowdfunding – Fans als Förderer

Crowdfinanzierung ist seit Anbeginn der Digitalisierung an und seitdem eine große Masse von fremden Menschen von einer Idee über das Netz begeistert werden kann in aller Munde. Und das auch in Musikerkreisen. Statt sich auf ein Plattenlabel oder andere große Geldgeber verlassen zu müssen und damit auch von diesen abhängig zu sein, werden einfach die Fans und kleine Unterstützer*innen gebeten, eine bestimmte Summe für etwa die Album-Produktion zusammenzutragen.
Heute stehen über 2.000 Plattformen für die Schwarmfinanzierung zur Verfügung – ein Angebot, bei dem man schnell die Übersicht verliert. Frankreich, Deutschland und die Niederlande sind laut einer Studie der Cambridge Universität die drei größten Märkte in der EU. Für Musiker*innen eignet sich
allerdings nicht jede Plattform. Zunächst ist wichtig zu wissen, dass man allgemein vier verschiedene Arten der Schwarmfinanzierung unterscheidet:

  1. Das „herkömmliche“ Crowdfunding,
  2. das spendenbasierte Crowdfunding,
  3. das Crowdlending
  4. und das Crowdinvesting.

 

Für Musiker*innen hat sich das herkömmliche Crowdfunding bewährt, bei dem die Unterstützer*innen eine Gegenleistung für ihr Geld bekommen. Für die einzelnen Bezahlstufen (z.B. 10€ – 500€) werden verschiedene Belohnungen angeboten. Dazu an späterer Stelle mehr. Auf großen Crowdfunding-Plattformen, zum Beispiel auf Kickstarter oder Startnext, wählt eine Band für ein Projekt wie eine Album-Produktion einen festen Zielbetrag, der in einem bestimmten,
festgelegten Zeitraum erreicht werden soll. Wird der Zielbetrag nicht erreicht, bleibt der Service für die Band kostenlos. Natürlich bekommen alle Unterstützer dann auch ihr Geld zurück. Ist die Kampagne hingegen erfolgreich, erheben die meisten eine Provision auf die Einnahmen. Bei Kickstarter sind das 5%. Und vom Bezahlabwicklungsanbieter kommen dann noch einmal 3-5 % hinzu.

Bei Startnext, wo mit Musiker-Kampagnen die größten Erfolge erzielt werden, können Bands die Provision hingegen selbst wählen, wobei 1% das Minimum darstellen. Auch hier kommen Transaktionskosten für den Bezahldienstleister dazu. Diese betragen 4%. Auf dieser Plattform ist relativ viel Eigeninitiative vonnöten, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen, denn die Anzahl der laufenden Kampagnen auf Kickstarter ist immens. Entsprechend schwer ist es, unter die auf der Startseite hervorgehobenen Projekte zu kommen – hier landen.

Während bei Kickstarter auf der Startseite nur die zu Projektbeginn am stärksten unterstützten Kampagnen landen und somit bereits im Voraus eine Menge Eigenwerbung gemacht werden muss, läuft es bei Startnext etwas „humaner“. Die Plattform stellt auf ihrer Startseite nämlich besonders attraktive neue Projekte vor, wodurch tatsächlich die Idee und deren Präsentation im Vordergrund stehen. Wer also mit einem gut geplanten und überzeugenden Projekt ankommt, kann etwa auch als unbekannte Band mit Innovationsgeist überzeugen und hat so eine Chance, in die Startseiten-Favoriten zu gelangen.

Weitere Crowdfunding-Plattformen, die sich Bands anschauen sollten, sind:

  • Patreon
  • Indiegogo
  • PledgeMusic
  • Bandcamp

 

Wichtige ist, dass nicht nur das Konzept die Plattform und die Fans überzeugt. Es sollte auch ein hochwertiges Pitch-Video produziert werden, in welchem dieses Konzept ansprechend vermittelt wird. In einer Promotionsphase sollten Bands zudem schließlich versuchen, nah an die Fans ranzukommen und ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Einblicke in den Probenalltag oder erste kleine Tourneen sind hier etwa zu nennen. Einflussreiche Unterstützer*innen mit einer gewissen Reichweite können natürlich auch immer eine große Hilfe sein. Und schließlich sollte die bereits angesprochene Belohnung für Unterstützer eine gewisse Qualität aufweisen.

Standard ist etwa das fertige Album als Download oder als Tonträger anzubieten. Für Unterstützer, die an der Album-Produktion mit höheren Beträgen mitwirken sind aber auch ausgefallenere Belohnungen wichtig. Zu nennen wären hier etwa Wohnzimmerkonzerte oder gar eigens für den Unterstützer komponierte kleine Songs oder eine Danksagung auf der Rückseite des Albumcovers.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Natürlich stellt das Crowdfunding nicht die einzige Finanzierungsmöglichkeit für die Album-Produktion dar. Auch werden Musikproduktionen unter Umständen mithilfe staatlicher und privater Förderprogramme gefördert. Allerdings muss man sagen, dass es sich hier oftmals um klassische Produktionen handelt und es für die meisten Bands nicht gerade einfach ist, in ein solches Förderprogramm zu kommen.

Eher eignet es sich, sich etwa zusätzlich zu einer Crowdfunding-Kampagne mit einem kleinen Kredit auszuhelfen, der, aufgeteilt unter den Bandmitgliedern, recht unkompliziert und bald wieder zurückgezahlt werden kann. Für einen solchen gibt es übrigens in der Regel auch bei negativem Schufa-Eintrag einige Möglichkeiten. Wichtig ist, sich als Band gut zu dem Thema zu informieren und diverse Angebote zu vergleichen.

Sinnvoll ist zudem auch der Verkauf von Merchandise-Artikeln. Nicht selten wird dieser sogar als eine der wichtigsten Möglichkeiten der Album-Finanzierung angesehen. Das ist natürlich auch davon abhängig, wie viele Fans man schon hat und wie sehr diese an diversem Merchandising interessiert sind. Fest steht, dass Merchandising seit Langem schon zu den Top-Umsatzbringern in der Musikindustrie gehört. Wer coole Designs mit hoher Qualität und vernünftigen Preisen kombiniert, kann hier mit etwas Glück eine Menge Geld einspielen.

Geld sparen im Studio

Die richtigen Songs auswählen

Die Kosten für die Album-Produktion hängen schließlich auch stark davon ab, wie sich im Studio verhalten und vor allem, wie viel Zeit hier gebraucht wird. Was das betrifft ist zunächst einmal die Auswahl der Songs ausschlaggebend.

Wer mit seiner Band noch am Beginn der Karriere in der Musikbranche steht, kann davon ausgehen, dass sich nicht alle Songs zum Rekorden anbieten. Es gilt, lange vor dem Studiobesuch zu entscheiden, für welchen Zweck genau bestimmte Lieder aufgenommen werden und ob sie sich nicht etwa für eine EP besser eignen würden, als für ein Album. Alben sollten ein gewisses Konzept aufweisen und stimmig sein. Und vor allem mindestens einmal 8, 9 oder 10 und bestenfalls mehr Songs oder Tracks aufweisen. Anfangs ist man als Band gut beraten, nur die allerbesten Songs für ein Album zu verwenden, die thematisch bestenfalls auch noch harmonieren. Nichts ist schlimmer, als erst im Studio zu merken, dass einige Songs nicht funktionieren.

Die Songs fertiggestellt haben und viel proben

Wichtig ist daher natürlich auch, dass die Songs vor dem Studiobesuch bereits vollständig durchkonzipiert und so fertiggestellt sind, dass sie wirklich nur noch aufgenommen werden müssen. Oft hört man in Interviews bekannter Musiker, dass diese im Studio erst ihre Texte geschrieben haben. Das klingt vielleicht romantisch und mag in Ausnahmefällen problemlos funktionieren – etwa, wenn man ein eigenes Studio besitzt. Ansonsten kostet aber jede Minute in einem Tonstudio Geld, weshalb die Zeit hier wie Gold zu behandeln ist.

Das heißt also, dass Bands wissen müssen, wie genau ihre Songs am Ende klingen sollen, um dies dem Produzenten eingehend vermitteln zu können. Da jeder Produzent aber auch immer noch eine eigene Meinung hat, ist man ebenfalls gut beraten, für kleine Anpassungen und Änderungen offen zu sein. Die beste Möglichkeit um sicher zu sein, dass die Studio-Aufnahmen quasi perfekt werden, ist übrigens, so lahm es klingt: Proben, proben und nochmal proben! Dann sind die Stunden im Studio eingeübte Routine und alles sollte glatter laufen.

Die/den optimale/n Produzent*in finden

Bands, die mit einem Produzenten zusammenarbeiten, mit dem sie sich im Vorhinein nicht intensiv beschäftigt haben, erleben im Studio oft das blaue Wunder. Dieser hat vielleicht eine ganz andere Vorstellung, als man selbst. Dann muss im schlimmsten Fall ein neuer Produzent gesucht und der andere dennoch bezahlt werden. Es ist also essentiell, sich die bereits produzierten Werke der jeweiligen Produzenten genau anzuhören. Erst nach einem umfassenden Vergleich sollten Bands sich für ihren Favoriten entscheiden.

Mit den Studioinhaber*innen verhandeln

Wer in einem Studio nur einen einzigen Song aufnimmt, muss in den meisten Fällen mit einem festen Preis Vorlieb nehmen. Dieser kann immens hoch sein und für einen einzigen Song maßlos übertrieben scheinen. Gleich ein ganzes Album aufzunehmen macht hier tatsächlich mehr Sinn. Dann ist es nicht selten auch möglich, mit den Studioinhabern über den Preis der Aufnahmen zu verhandeln. Es schadet nicht, nach einem Rabatt zu fragen und selbst, wenn dieser oft keine mehreren hundert Euro darstellt, bleiben die Ersparnisse über, um sich etwa besseres Equipment zulegen oder eine Stunde länger aufnehmen zu können. Und das ist besser als nichts.